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Moderne Textverarbeitungsprogramme erlauben es, Texte nach beliebigen Begriffen zu durchsuchen und diese durch neue Begriffe zu ersetzen. Dies widerfuhr auch dem folgenden Text. Der ursprüngliche Text ist schon etwas älter und beschäftigt sich mit einer anderen gesellschaftlichen Minderheit in in Deutschland. Er zeigt, dass die Fragen zum Umgang mit Minderheiten nicht neu sind - und das wir bis heute keine adäquate Antwort darauf gefunden haben. Vielleicht ist es auch vermessen, eine solche Antwort zu suchen und es geht am Ende nur darum, allzu große gegenseitige Respektlosigkeiten und Ignoranz zu vermeiden.


ZITAT:

Zur Frage des Islams


Die deutschen Muslime begehren die Emanzipation. Welche Emanzipation begehren sie? Die staatsbürgerliche, die politische Emanzipation.

Mr.* antwortet ihnen: Niemand in Deutschland ist politisch emanzipiert. Wir selbst sind unfrei. Wie sollen wir euch befreien? Ihr Muslime seid Egoisten, wenn ihr eine besondere Emanzipation für euch als Muslime verlangt. Ihr müßtet als Deutsche an der politischen Emanzipation Deutschlands, als Menschen an der menschlichen Emanzipation arbeiten und die besondere Art eures Drucks und eurer Schmach nicht als Ausnahme von der Regel, sondern vielmehr als Bestätigung der Regel empfinden.

Oder verlangen die Muslime Gleichstellung mit den christlichen Untertanen? So erkennen sie den christlichen Staat als berechtigt an, so erkennen sie das Regiment der allgemeinen Unterjochung an. Warum mißfällt ihnen ihr spezielles Joch, wenn ihnen das allgemeine Joch gefällt! Warum soll der Deutsche sich für die Befreiung der Muslime interessieren, wenn der Moslem sich nicht für die Befreiung des Deutschen interessiert? Der christliche Staat kennt nur Privilegien. Der Moslem besitzt in ihm das Privilegium, Moslem zu sein. Er hat als Moslem Rechte, welche die Christen nicht haben. Warum begehrt er Rechte, welche er nicht hat und welche die Christen genießen! Wenn der Moslem vom christlichen Staat emanzipiert sein will, so verlangt er, daß der christliche Staat sein religiöses Vorurteil aufgebe. Gibt er, der Moslem, sein religiöses Vorurteil auf? Hat er also das Recht, von einem andern diese Abdankung der Religion zu verlangen? Der christliche Staat kann seinem Wesen nach die Muslime nicht emanzipieren; aber, setzt Mr. * hinzu, der Moslem kann seinem Wesen nach nicht emanzipiert werden. Solange der Staat christlich und der Moslem islamisch ist, sind beide ebensowenig fähig, die Emanzipation zu verleihen als zu empfangen.

Der christliche Staat kann sich nur in der Weise des christlichen Staats zu den Muslimen verhalten, das heißt auf privilegierende Weise, indem er die Absonderung des Moslems von den übrigen Untertanen gestattet, ihn aber den Druck der andern abgesonderten Sphären empfinden und um so nachdrücklicher empfinden läßt, als der Moslem im religiösen Gegensatz zu der herrschenden Religion steht. Aber auch der Moslem kann sich nur islamisch zum Staat verhalten, das heißt zu dem Staat als einem Fremdling, indem er der wirklichen Nationalität seine chimärische Nationalität, indem er dem wirklichen Gesetz sein illusorisches Gesetz gegenüberstellt, indem er zur Absonderung von der Menschheit sich berechtigt wähnt, indem er prinzipiell keinen Anteil an der geschichtlichen Bewegung nimmt, indem er einer Zukunft harrt, welche mit der allgemeinen Zukunft des Menschen nichts gemein hat, indem er sich für ein Glied der islamischen Gemeinschaft und der Muslime für auserwählt hält.

Auf welchen Titel hin begehrt ihr Muslime also die Emanzipation? Eurer Religion wegen? Sie ist die Todfeindin der Staatsreligion. [...]

Mr. * hat die Frage der Emanzipation des Islams neu gestellt, nachdem er eine Kritik der bisherigen Stellungen und Lösungen der Frage gegeben. Wie, fragt er, sind sie beschaffen, der Moslem, der emanzipiert werden, der christliche Staat, der emanzipieren soll? Er antwortet durch eine Kritik der islamischen Religion, er analysiert den religiösen Gegensatz zwischen Islam und Christentum, er verständigt über das Wesen des christlichen Staates, alles dies mit Kühnheit, Schärfe, Geist, Gründlichkeit in einer ebenso präzisen als kernigen und energievollen Schreibweise. Wie also löst Mr. * die Frage des Islams? Welches das Resultat? Die Formulierung einer Frage ist ihre Lösung. Die Kritik der Frage des Islams ist die Antwort auf die Frage des Islams. Das Resumé also folgendes:

Wir müssen uns selbst emanzipieren, ehe wir andere emanzipieren können. Die starrste Form des Gegensatzes zwischen dem Muslim und dem Christen ist der religiöse Gegensatz. Wie löst man einen Gegensatz? Dadurch, daß man ihn unmöglich macht. Wie macht man einen religiösen Gegensatz unmöglich? Dadurch, daß man die Religion aufhebt. Sobald Moslem und Christ ihre gegenseitigen Religionen nur mehr als verschiedene Entwicklungsstufen des menschlichen Geistes, als verschiedene von der Geschichte abgelegte Schlangenhäute und den Menschen als die Schlange erkennen, die sich in ihnen gehäutet, stehn sie nicht mehr in einem religiösen, sondern nur noch in einem kritischen, wissenschaftlichen, in einem menschlichen Verhältnisse. Die Wissenschaft ist dann ihre Einheit. Gegensätze in der Wissenschaft lösen sich aber durch die Wissenschaft selbst.

Dem deutschen Muslim namentlich stellt sich der Mangel der politischen Emanzipation überhaupt und die prononcierte Christlichkeit des Staats gegenüber. In Mr. *s Sinn hat jedoch die Frage des Islams eine allgemeine, von den spezifisch deutschen Verhältnissen unabhängige Bedeutung. Sie ist die Frage von dem Verhältnis der Religion zum Staat, von dem Widerspruch der religiösen Befangenheit und der politischen Emanzipation. Die Emanzipation von der Religion wird als Bedingung gestellt, sowohl an den Moslem, der politisch emanzipiert sein will, als an den Staat, der emanzipieren und selbst emanzipiert sein soll.

»Gut, sagt man, und der Moslem sagt es selbst, der Moslem soll auch nicht als Moslem, nicht weil er Moslem ist, nicht weil er ein so treffliches allgemein menschliches Prinzip der Sittlichkeit hat, emanzipiert werden, der Moslem wird vielmehr selbst hinter dem Staatsbürger zurücktreten und Staatsbürger sein, trotzdem daß er Moslem ist und Moslem bleiben soll; d.h., er ist und bleibt Moslem, trotzdem daß er Staatsbürger ist und in allgemeinen menschlichen Verhältnissen lebt: sein islamisches und beschränktes Wesen trägt immer und zuletzt über seine menschlichen und politischen Verpflichtungen den Sieg davon. Das Vorurteil bleibt, trotzdem daß es von allgemeinen Grundsätzen überflügelt ist. Wenn es aber bleibt, so überflügelt es vielmehr alles andere.« »Nur sophistisch, dem Scheine nach, würde der Moslem im Staatsleben Moslem bleiben können; der bloße Schein würde also, wenn er Moslem bleiben wollte, das Wesentliche sein und den Sieg davontragen, d.h., sein Leben im Staat würde nur Schein oder nur momentane Ausnahme gegen das Wesen und die Regel sein.« [...]


Bei dem Text handelt es sich um einen Ausschnitt aus einem Originaltext von Karl Marx. Er ist eine Kritik an Bruno Bauer (Mr. *): »Die Judenfrage«. Braunschweig 1843. In diesem Textausschnitt wurden alle Hinweise auf die jüdische Religion durch sinngemäße Hinweise auf den Islam ersetzt.

Originaltext z.B. unter [1]

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