Denken mit KI
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Und auch die Grundlagen für die generierten Texte verloren ihre Sichtbarkeit. Sie waren die Basis und oft das Ergebnis jahrelanger Überlegungen, vieler gelesener Bücher, gehörter Diskussionen und gesehener Filme. Sie waren vielleicht nicht gut ausformuliert, mit Quellen hinterlegt und oft nicht einmal besonders originell. Aber es waren meine, über Jahre gewachsenen Gedanken. Und die verschwanden hinter den Texten der KI. | Und auch die Grundlagen für die generierten Texte verloren ihre Sichtbarkeit. Sie waren die Basis und oft das Ergebnis jahrelanger Überlegungen, vieler gelesener Bücher, gehörter Diskussionen und gesehener Filme. Sie waren vielleicht nicht gut ausformuliert, mit Quellen hinterlegt und oft nicht einmal besonders originell. Aber es waren meine, über Jahre gewachsenen Gedanken. Und die verschwanden hinter den Texten der KI. | ||
| - | Was also tun mit all den generierten Texten, den erweiterten eigenen Gedanken. Ich habe erfahren, dass KI ein Werkzeug für das eigene Denken sein kann. Aber ich habe auch erfahren, dass ich mich davor hüten muss, nicht im Strom der erweiterten Gedanken zu ertrinken. | + | Was also tun mit all den generierten Texten, den erweiterten eigenen Gedanken. Ich habe erfahren, dass KI ein Werkzeug für das eigene Denken sein kann. Aber ich habe auch erfahren, dass ich mich davor hüten muss, nicht im Strom der durch KI erweiterten Gedanken zu ertrinken. |
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Version vom 17:57, 13. Jun. 2026
Juni 2026
Ein Erfahrungsbericht
Als ich 2023 das erste mal ein LLM ausprobierte (ChatGPT) war dies eher entäuschend. Die Ergebnisse waren ermüdend zu lesen - Aufzählungen, Wiederholungen, langweilige Formulierungen, wenig Tiefe, viele Allgemeinplätze.
Im letzten Jahr machte ich dann erste Versuche mit Claude und war beeindruckt. Nicht nur, dass die generierten Texte reichhaltiger an Formulierungsvariationen waren. Sie lieferten auch sauber formatierte Quellenangaben, Verweise und unterschiedliche inhaltliche Aspekte zum Thema. Bei genauerer Prüfung stellten sich die Quellen zwar häufig als wenig zuverlässig - teilweise halluziniert - dar. Aber insgesamt handelte es sich nicht mehr um die simplen "Schulaufsätze", die ich von ChatGPT kannte.
Nach ersten Versuchen mit Fragestellungen zu speziellen Themen ging ich dazu über, vorhandene Gedankenskizzen und Texte aus diesem Wiki als Grundlage zu verwenden und im Prompt nur noch auf diesen Text zu verweisen. Stil und Rahmen für die inhaltliche Erweiterung gab ich im Prompt vor. Meist erforderte das nur wenige Textzeilen.
Mit diesen Vorgaben erstellte mir das KI-Modell dann weitergehende Texte mit der Einordnung in unterschiedliche Wissenschaftsgebiete und Verweisen auf bekannte Quellen. Auch wenn die Quellen nicht immer zuverlässig waren, so stellten sie zumindest einen Wegweiser oder eine Inspiration zu weiterer Vertiefung dar.
Es war als hätte ich eine Idee entwickelt, wäre damit in eine Bibliothek gegangen und hätte mir diverse Bücher, die sich mit ähnlichen Ideen beschäftigen, zusammengesucht und überflogen. Ein ähnliches Gefühl stellte sich ein, als ich die KI-generierten Texte als Erweiterung meiner eigenen Gedanken las. Es war selten nur eine Bestätigung, immer eine Erweiterung und oft auch ein Diskurs, indem gegensätzliche Positionen mitbetrachtet oder meine eigene Fehlschlüsse aufgezeigt wurden.
Es war kein Frage- und Antwortdialog, kein Diskurs mit einem "Anderen" sondern die Auseinandersetzung mit einem Thema - ähnlich dem Erarbeiten von Gedanken durch Lesen von Literatur. Ich konnte feststellen, dass diese Art der Nutzung einer KI das eigene Denken durchaus beflügeln kann.
Es zeigte sich aber auch sehr schnell, dass mit einem solcherart unterstützten Denken eine "Produktivität" möglich ist, die einer echten Auseinandersetzung mit einem Thema im Wege steht. Mit einer KI ein lesbares und inspirierendes Ergebnis zu erhalten, dauerte Minuten. Daraus aber einen wirklich intellektuellen Mehrwert für das eigene Denken zu schaffen war so mühsam wie eh und je. Man muss den Text lesen, verstehen, den Quellen nachgehen - vielleicht sogar einige wirklich lesen - und dann neu über das Thema denken, die eigenen Thesen neu bewerten, umformulieren und vielleicht neue Schlüsse daraus ziehen. All das aber braucht soviel Zeit wie Denken eben braucht. Da war keine Abkürzung mehr, die einem die KI schaffen konnte.
Und auch die Grundlagen für die generierten Texte verloren ihre Sichtbarkeit. Sie waren die Basis und oft das Ergebnis jahrelanger Überlegungen, vieler gelesener Bücher, gehörter Diskussionen und gesehener Filme. Sie waren vielleicht nicht gut ausformuliert, mit Quellen hinterlegt und oft nicht einmal besonders originell. Aber es waren meine, über Jahre gewachsenen Gedanken. Und die verschwanden hinter den Texten der KI.
Was also tun mit all den generierten Texten, den erweiterten eigenen Gedanken. Ich habe erfahren, dass KI ein Werkzeug für das eigene Denken sein kann. Aber ich habe auch erfahren, dass ich mich davor hüten muss, nicht im Strom der durch KI erweiterten Gedanken zu ertrinken.
